Mein FussiFreunde

27.02.2016

„Eine (weitere) Niederlage für den Amateurfußball!“

Fäuste fliegen – Hammonia-Duell HSV III vs. Teutonia 05 abgebrochen

Nach seinem Tritt gegen einen am Boden liegenden Fan droht Sidiki S. eine lange Strafe. Foto: noveski.com

„Es ist das kläglichste Ende eines Fußballspiels“, traf Teutonias Erster Vorsitzender, Diddo Ramm, den Nagel auf dem Kopf. Eigentlich wollten sich der Hamburger SV III und der FC Teutonia 05 am Freitagabend nur auf und nicht abseits des Platzes duellieren – über eine Stunde lang taten dies beide Mannschaften auch. Doch dann artete das Geschehen komplett aus, so dass dem Unparteiischen Thomas Bauer (Rahlstedter SC) keine andere Wahl blieb, als die Begegnung in der 66. Spielminute abzubrechen! Die Vorwürfe, die im Raum stehen, sind nicht nur hart, sondern haben in unserer Gesellschaft rein gar nichts verloren: Gewalt und Fremdenhass.

Das Sportliche geriet komplett in den Hintergrund. Auch die Drei-Tore-Gala von „Rothose“ Sören Ostermann, der beinahe aus allen Lagen traf – zunächst von beiden Außenverteidigern Lukas Schaube und Patrick Hinrichsen in Szene gesetzt, dann einen Abpraller nach Torschuss von Emre Yasar aus gut und gerne 25 Metern an drei Verteidigern vorbei in die Maschen befördert –, war am Ende nichts das beherrschende Gesprächsthema. Die Story der Partie ereignete sich in besagter 66. Spielminute, als Jefferson Nosa, der bis dato bereits mit übermäßigem Ehrgeiz am Rande eines Platzverweises weilte, ausgewechselt wurde, in Richtung des HSV-Anhangs marschierte und sich mit diesen ein verbales Scharmützel lieferte. Laut Aussagen einiger Teutonia-Akteure, kam es zu Beginn der zweiten Halbzeit von Seiten der Heim-Fans zu rassistischen Beleidigungen gegen die dunkelhäutigen Akteure der Gäste – darunter eben auch Jefferson Nosa. Als dann plötzlich die Fäuste flogen, machte sich die gesamte Mannschaft der 05er auf den Weg in Richtung Tatort. Es folgte eine Massenschlägerei. Insbesondere Sidiki S. fuhr derart aus der Haut, dass er unter anderem einen am Boden liegenden Besucher trat. Ein Verhalten, das in keinem Fall zu entschuldigen ist und eine saftige Strafe nach sich ziehen muss! „Als Erster Vorsitzender ist so etwas natürlich das letzte, was man hören will“, erklärte uns Ramm anschließend auf Nachfrage und nahm auch den Trainer in die Pflicht: „Vielleicht wurde in dem Fall nicht das getan, was man hätte tun müssen." Gemeint ist damit: Ob es bei der aufgeheizten Stimmungslage so ratsam war, den Spieler in Richtung des gegnerischen Anhangs marschieren zu lassen, anstatt ihn zum Runterkommen auf der eigenen Bank zu halten – fernab des ganzen Pulks, sei mal dahin gestellt... 

„Mittlerweile scheint es nicht nur so zu sein, dass Schiedsrichter wie Freiwild behandelt werden, sondern auch ein gewisses Pegidatum auf dem Fußballplatz eingesetzt hat. Für Spieler hagelt es immer Konsequenten, aber Fans oder auch Zuschauer können sich alles erlauben, ohne dass etwas passiert. Zum Teil junge Menschen mit dunkler Hautfarbe müssen sich von Leuten Dinge anhören, die weit übers Sportliche hinaus gehen. Gewalt und Hass haben auf dem Fußballplatz nichts verloren – die Sicherheit muss immer das allererste Gut sein. Beide Vereine werden das Geschehene lückenlos aufarbeiten und in unserem Fall gehen wir auch selbstkritisch damit um. Der FC Teutonia 05 ist tief traurig!“ Beim HSV III bestreitet man hingegen die angeblich gefallenen rassistischen Äußerungen seitens der Fans. „Wir haben selbst dunkelhäutige Spieler, Jungs aus aller Herren Länder bei uns im Team. Wir haben eine Fan-Gruppierung, die politisch so links ist, dass die Behauptungen total abwegig sind. Aber es ist natürlich einfach, diese Karte zu ziehen, um das eigene Fehlverhalten zu verharmlosen. Ich bin seit Kindheitstagen dabei, aber sowas habe ich noch nie erlebt. Ich bin erschrocken und total fassungslos“, so Coach Felix Karch, der die drei Punkte gerne auf sportlichem Wege eingefahren hätte. Auch Spieler des FCT äußerten sich zu den Vorfällen über die sozialen Netzwerke. „Man muss sagen, dass die HSV-Spieler sehr korrekt und verständnisvoll waren! Gute Jungs! Die Betonung liegt hier aber eindeutig auf Spieler und Trainerstab“, schrieb etwas Frank Saaba auf „facebook“. Die Akteure des HSV III verhielten sich bei all dem Tohuwabohu so, wie es sich für wahre Sportsmänner gehört, ließen es auch tatenlos über sich ergehen, von Gegenspielern bespuckt zu werden (Dieter Forkert soll hier gegen Patrick Hinrichsen auffällig geworden sein, wie Zeugenaussagen berichten) und von dem ganzen Durcheinander nicht anstecken!


„Wir werden uns jetzt beraten und auf jeden Fall dagegen angehen. Dazu warten wir den Schiedsrichterbericht ab“, so Ramm, der anfügte: „Gegen rassistische Beleidigungen wird der FC Teutonia 05 aufs Schärfste vorgehen. Sie haben im Fußball, wie wir ihn verstehen, nichts zu suchen. Unsere Mitglieder kommen aus 22 Nationen, da ist es ungeschriebenes Gesetz, dass wir uns für alle unserer Spieler gegen jede Form der Erniedrigung zur Wehr setzen.“ Das Trainerteam der „Kreuzkirchler“ zeigte sich nur „geschockt“ von den Vorkommnissen. Und auch mit den beteiligten Spielern will man noch einmal ins Einzelgespräch gehen. „Viele empfinden einen Coolness-Tag als Schwäche, aber es ist eher ein Zeichen der Stärke. Es sind Jungs: Wenn man sie austicken lässt, dann reagieren sie. Auch wenn es eine mögliche Vorgeschichte gab, darf man nicht mit Gleichem zurückzahlen.“ Der Unparteiische des Spiels versicherte derweil den Offiziellen der Rothosen, nichts von irgendwelchen rassistischen Kundgebungen mitbekommen zu haben!

Mittlerweile veröffentlichte der Vorstand des FC Teutonia 05 folgende Stellungnahme:

Im Verlaufe des Ligaspiels zwischen dem HSV III und der 1. Mannschaft ist es heute zu einer Auseinandersetzung zwischen HSV-Anhängern und Spielern von uns gekommen.

Das Spiel wurde daraufhin abgebrochen.

Das Trainerteam und der Vorstand sind fassungslos, ob der Ereignisse.

Dabei haben alkoholisierte HSV Anhänger unsere dunkelhäutigen Spieler rassistisch angegriffen und beleidigt. Die Mannschaft ist daraufhin ihrem Spieler zur Hilfe gekommen.

Der Vorstand und das Trainerteam werden sich jetzt beraten und auf jeden Fall gegen jede Form von Rassismus vorgehen. Im nächsten Schritt warten wir jetzt den Schiedsrichterbericht ab und werden dann diese Situation genau analysieren.

Alkohol hat am Spielfeldrand nichts zu suchen. Gegen rassistische Beleidigungen wird der FC Teutonia 05 allerdings aufs Schärfste vorgehen. Sie haben im Fußball, wie wir ihn verstehen, nichts zu suchen.

Unsere Mitglieder kommen aus 22 Nationen, da ist es ungeschriebenes Gesetz, das wir uns für alle unsere Spieler gegen jede Form der Erniedrigung zur Wehr setzen.

1. Vorsitzender
Diddo Ramm

Als Gegenreaktion hieß es von Seiten des HSV III:

„Seitdem wir im Verein sind, gab es bislang nie irgendwelche Vorfälle in diese Richtung. So etwas als Vereinsvertreter unreflektiert direkt nach dem Spiel zu veröffentlichen, ist in unseren Augen nicht wirklich gut und durchdacht. Zumal dort keine Selbstkritik zu sehen ist. Wir haben den gesamten Ablauf auf Video und darüber sind wir sehr froh, weil wir uns nichts vorwerfen lassen können. Gewalt ist durch nichts zu rechtfertigen! Am Ende könnte man fast den Eindruck gewinnen, dass wir für den Abbruch verantwortlich gemacht werden..."

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